1. Overather Jagdforum

Am 11.12.2012 fand das 1. Overather Jagdforum des Hegeringes Overath statt. Als Gäste geladen waren die jagdpolitischen Sprecher der im Landtag NRW vertretenen Parteien sowie der Präsident des Landesjagdverbandes NRW, Ralph Müller-Schallenberg.

 

Letztlich zugesagt haben neben Ralph Müller-Schallenberg Rainer Deppe (CDU), Norbert Meesters (SPD), Norwich Rüße (Grüne) und Hanns-Jörg Rohwedder (Piraten). Lediglich Karlheinz Busen von der FDP musste aus Termingründen absagen.

 

Podium

Das Podium

Da das Eckpunktepapier des Ministeriums Remmel wider Erwarten noch nicht vorlag, ging es in der Veranstaltung um alle Themen, die im Vorfeld bereits diskutiert wurden: von der Liste jagdbarer Tierarten über die Fallenjagd bis zur bleifreien Munition und Hundeausbildung. Besser gesagt: es sollte um diese Themen gehen. Denn es wurde schnell klar, dass die eigentlich vorgesehene Tagesordnung viel zu ambitioniert für einen einzigen Abend war.

  

Die Organisatoren standen also vor der Wahl: alle Themen schnell durchhecheln oder sich auf einige Schwerpunkte konzentrieren. Man entschied sich für letzteres – und war damit wohl gut beraten, denn letztlich gab es seitens des Publikums einen erheblichen Diskussionsbedarf, den man auf keinen Fall abwürgen wollte.

 

Aus den viele Wortmeldungen wurden nicht nur die tief sitzende Verun­sicherung der Jäger deutlich über dass, was das Ministerium an Änderungen im Köcher hat oder haben könnte. Dabei waren die Beiträge stets von hohem Sachverstand und einem beeindruckenden Engagement der Jäger geprägt. Man spürte förmlich das Herzblut, mit dem die Grünröcke zu Werke gehen. Insbesondere der Wortbeitrag von Frau Zeppke-Sors vom HR Lüdenscheid sprach den Anwesenden aus der Seele als sie auf die vielen ungezählten Stunden hinwies, die jeder Jäger ehrenamtlich und unentgeltlich im Revier verbringt. „Jäger sind keine Schreibtischtäter, sie packen einfach an“ lautete das Credo von Frau Zeppke-Sors. Für diese Worte war ihr ein langer herzlicher Applaus sicher.

 

Aber der Reihe nach:

 

Nach der stimmungsvollen Einleitung durch das Bläsercorps Overath und der Begrüßung durch Hegeringleiter Peter Flunkert richtete der Präsident des LJV NRW, Ralph Müller-Schallenberg, ein Grußwort an die Anwesenden. Dabei wurde betont, dass sich aus Sicht des LJV das bisherige Jagdrecht bewährt hat und Reformen eigentlich gar nicht nötig seien. Wenn diese jedoch dem politischen Willen der Regierungskoalition entsprechen, so ist der LJV stets gesprächsbereit und verschließt sich keiner vernünftigen Argumentation. Müller-Schallenberg unterstrich jedoch, dass es für die Jäger auch „No-go's“ gibt, über die nicht diskutiert werden könne. Ein Hinweis auf manche Forderungen von Verbänden wie BUND und NABU ließ das Auditorium ahnen, was er damit meinen könnte.

 

Die z.T. emotional geführte, aber dennoch stets sachliche Diskussion brachte neben den bekannten Positionen auch einige neue Akzente. So gab Hanns-Jörg Rohwedder von den Piraten freimütig zu, dass für ihn die Vorstellung der Jagdhundeausbildung an der lebenden Ente viel von dem Schrecken verloren hat, nachdem man seitens des LJV ihm, wie dem gesamten Landtagsausschuss, diese Ausbildung konkret vorgeführt hat.

 

Rainer Deppe (CDU) forderte gar – mit Hinblick auf die Hegeverpflichtung der Jäger – eine Ausweitung der dem Jagdrecht unterliegenden Tierarten. Aktive Lebensraumverbesserungen seien bei den Jägern in besten Händen. Wer beispielsweise die Anstrengungen der Jäger zum Erhalt der letzten Auerhühner in NRW sieht, der weiß das (Loden-)grüne Engagement zu schätzen.

 

Norbert Meesters (SPD) verwies wiederholt auf die im Ministerium noch nicht abgeschlossenen Beratungen auf Sachgebietsebene. Solange diese noch andauern, werde er kein inhaltliches Statement abgeben. Diese Zurückhaltung, mag sie politisch durchaus nachvollziehbar sein, wurde im Publikum jedoch vorwiegend enttäuscht aufgenommen. Hier hätte sich manch einer etwas mehr „klare Kante“ erhofft. Ein Teilnehmer vermutete sogar, „er dürfe wohl nichts sagen, weil es ein grünes Ressort sei. Da müsse die SPD halt kuschen.“ Meesters machte aber auch deutlich, dass er Konsenzvereinbarungen anstrebt, wie sie es z.B. in seiner Heimat, dem Niederrhein, bezüglich der Vermeidung von Gänseschäden in der Landwirtschaft gebe.

 

Im Fokus vieler Fragen stand naturgemäß Norwich Rüße (Grüne), denn schließlich ist es seine Partei, die die Jagdrechtsnovelle unbedingt durchsetzen will. „Die stehen sonst im Visier der Vogelschützer-Lobby“ hieß es dazu „treffend“ aus dem Publikum. Bereits nach den ersten kritischen Fragen wurde deutlich, dass dieser Abend kein Heimspiel für ihn sein wird. Norwich Rüße sah insbesondere die Fallenjagd und den Abschuss von Katzen problematisch, verschloss sich aber nicht gänzlich einer Lösung für das Problem streunender Stubentiger. Auch die Fallenjagd könne – unter bestimmten Voraussetzungen – eine Zukunft haben. Seiner Überzeugung nach sei der Artenrückgang, insbesondere bei Wiesenvögeln, allerdings vor allem dem Strukturwandel in der Landwirtschaft geschuldet.

 

Nach einer ganzen Reihe weiterer Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum zu Themen wie Waldbetretungsrecht, Katzensteuer und insbesondere die drohende strukturelle Entmündigung der Jäger durch das Ministerium und seine Behörden schloss die Versammlung.

 

Die Diskussionen über die angesprochenen und auch über die zu kurz gekommenen Themen war damit allerdings noch nicht beendet. Denn der Saal leerte sich nur zögerlich und viele Jäger machten sich erst spät und immer noch kontrovers diskutierend auf den Heimweg.

Ralf Huckriede

 


Ansprache des Präsidenten Müller-Schallenberg